Der historische Klettersteig Pinut

Mitten in der imponierenden Felswand des Flimsersteins liegt eine Wiese, die seit alters her begehbar war und auch landwirtschaftlich genutzt wurde: Pinut. Bereits aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ist bezeugt, dass der Pinut für Wagemutige über einen schmalen und «gächen» Weg begehbar war. Auch der Verfasser der «Geschichte Graubündens», Johann Ulrich von Salis-Seewis bezeugt die landwirtschaftliche Nutzung des Pinuts in seinem Jahrbuch «Der Neue Sammler» (1805). Die Arbeit indes war beschwerlich und der Nutzen klein: gerade eine Kuh konnte mit der Pinut-Ernte überwintern.

 

 

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Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts haben die Besitzerverhältnisse der Pinutwiese mehrfach gewechselt, Besitzer waren stets Bauern aus Fidaz. Die Arbeit zum Mähen der Pinutwiese wird eindrücklich geschildert in der Erzählung des bekannten Fidazer Schriftstellers Gian Fontana (1897 – 1935) unter dem Titel „Wildheuen am Pinut“, die im Buch <interner Link zu Buch> abgedruckt ist.

 

 

 

 

Damals war der „Klettersteig“ sehr rudimentär ausgestattet: Bäume mit abgesägten Ästen dienten als Kletterhilfen in den steilsten Bereichen. Es gab aber immerhin einen Stall/Stafel auf dem Pinut, der heute aber nur noch an wenigen Fundamentstellen zu erkennen ist. 1902 verkaufte Martin Feltscher aus Fidaz die Pinutwiese an Christian Meiler, wodurch für den Pinut eine neue Zeit begann. Die Wiese ist noch heute im Privatbesitz, die Felswand, durch den der Klettersteig führt sowie die obere Wiese Parlatsch bis zu den Alpgebäuden gehören der Bürgergemeinde Flims.

 

 

 

Vor hundert Jahren dann die Kehrtwende: im Zuge der Tourismus-Entwicklung und der abenteuerlustigen Gäste, die die Hotels von Flims bevölkerten, wurden Pinut und die darüber liegende Wiese Pardatsch touristisch erschlossen. Es war die Pioniertat des Flimser Bürgers Christian Meiler, dass mit Metall-Leitern der ehemals risikoreiche Aufstieg zu einem nervenkitzelnden Abenteuer ohne Risiko und die Wand des Flimsersteins vom Fuss bis zur Hochebene des Steins begehbar wurde.

 

 

 

Der Klettersteig indes verschwand über die Jahre langsam aus dem touristischen Bewusstsein, wurde nur mehr selten benutzt und zerfiel – bis letztlich einige einheimische Enthusiasten die Initiative ergriffen, den Pinut-Klettersteig wieder herzurichten.

Neueröffnung

In Hinblick auf das hundertjährige Jubiläum der Klettersteig-Eröffnung 1907 haben einige Initianten angeregt, den Kletterstieg mit zeitgenössischer Technik wieder in Stand zu stellen. Dies nicht zuletzt auch, um das touristische Angebot für den Sommer auszubauen. Gemeindevorstand und Bevölkerung haben dieses Anliegen wohlwollend gut geheissen und den entsprechenden Kredit gewährt.

 

Für die Routenwahl waren einige Grundsatzentscheide zu fällen: wohl sollte Christian Meilers Idee möglichst originalgetreu umgesetzt werden, andererseits sollte die Erneuerung auch nachhaltig und dauerhaft sein. Deshalb wurde der Einstieg völlig neu geplant. Ansonsten nimmt der Klettersteig mehrheitlich den Verlauf , den der Initiator vor 100 Jahren geplant hatte.

 

Gesamthaft wurden 27 neue Treppen mit über 900 Treppentritten und einem Gesamtgewicht von ca. 15 Tonnen für die Instandsetzung installiert. Die Planungs- und Realisationsarbeiten wurden von Martin „Tinu“ Bieri, Marco Ambühl und Jack Frei umgesetzt.

 

 

 

 

Am30 Juni 2007 wurde der Klettersteig den ersten rund 100 Gästen übergeben. Das Echo war überwältigend: „Sensationell“ der Kommentar des Gemeindepräsidenten, „der schönste Klettersteig der Schweiz“ urteilte die Bergführerlegende Walter Belina und „orgastisch“ die Journalistin Karin Huber.

 

 

 

Nun also – über hundert Jahre nach der Eröffnung des Steigs durch seine Initianten – ist der Klettersteig durch die Wand des Flimsersteins dank vielseitigem Engagement wieder hergestellt für alle, die das Einmalige suchen und sich auch bewusst sind, dass es nicht ein einfacher Spaziergang ist, sondern einiger Vorkehrungen und Sicherheitsmassnahmen bedarf (Schwierigkeit K 1-2).

 

 

 

Wir möchten Sie zum Genuss des einmaligen Naturerlebnisses, der einzigartigen Aussicht und des nervenkitzelnden Abenteuers – ganz im Sinne des Initiators Christian Meiler – einladen, den Pinut zu begehen. Es erwartet Sie ein unvergessliches Erlebnis, das zu geniessen aber nur der nötige Respekt vor dem Berg garantiert.